Bosch Swing Quartett beherrscht Dixieland und Ironie

Bosch Swing Quartett beherrscht Dixieland und Ironie

 

Musik mit Freude, purer Emotion und voller Leidenschaft. So kann man den Auftritt des Bosch Swing Quartetts kurz beschreiben. Die Dixieland-Formation mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung heizt dem überschaubaren, aber begeisterungsfähigen Publikum mächtig ein. Die Musiker aus dem Großraum Stuttgart bieten feinste Jazzklassiker aus den Wurzeln des großartigen New Orleans Jazz.

Anfang der 90er Jahre finden sich Musiker aus der Stuttgarter und Reutlinger Jazz-Szene zu der Dixieland-Formation "Bosch Swing Quartett" zusammen. Swingender Oldtime Jazz und erst recht klassischer Swing bestimmen ihr Repertoire. Dass sie ohne Schlagzeug auftreten, ist ihnen weniger wichtig. Die komplexe Swing-Rhythmusarbeit wird leisten Kontrabass, Tuba und Gitarre. Der Unterhaltungswert scheint nach oben keine Grenzen zu haben.

Lieder aus den 20er und 30er Jahren, gespielt in originaler Instrumentenbesetzung, versetzen die Zuhörer in eine einzigartige Atmosphäre der Jazzzentren der Südstaaten. Deutlich wird dies bei Duke Ellington’s „Solid old man“. Jeder einzelne Musiker zeigt hier sein Können. Frontmann Michael Habele singt und spielt Trompete. Er kennt zu jedem Song eine eigene Story. Habele spielt mit Hingabe Trompete und greift tief in die Mottenkiste wunderbarer deutscher Trompeter. Legendär sei Horst Fischer gewesen, der „ertrunkene Trompeter“. Hier kommt die Musik der Armen, der Unterschicht ganz faszinierend zur Geltung.

Habele erzählt von Auslandsreisen nach China und Indien. „China war eine ganz tolle Sache. Russland wäre noch eine Reise wert gewesen“, so Habele. Unvergesslich bleibe aber der Auftritt beim damaligen Bundespräsidenten Köhler auf Schloss Bellevue. „Der Bundespräsident hatte uns eingeladen, nachdem er uns in China live erlebt hatte.“
„Wir spielen nun Sonnenlieder, weil es dem Sommer entgegen geht“, kündigt Habele „You are my sunshine“ oder „On the sunny side of the street“ an. Manch ein Zuhörer scheint durch die Jazzklassiker von Louis Armstrong entrückt ins Zentrum von New Orleans zu sein, schwelgend und genießend durch das famose French Quarter.

„Wir können auch Badelieder“, witzelt Habele. Bei „Lass mich Dein Badewasser schlürfen“ bleibt kein Auge trocken. Es ist aber immer der gefühlvolle Blues, den sie professionell präsentieren. Jazzgrößen wie Bix Beiderbecke, Fats Waller und Spencer Williams und viele andere werden wieder lebendig.“Ihr Hohenloher seid ein wirklich dankbares Publikum“, freut sich Habele. Der alte, durch die Beatles wieder auferstandene Song „Ain’t she sweet“ spielen sie für Kanzlerin Angie. Das sitzt.

Das kompakte Kollektiv besteht neben Habele aus Manfred Schütt an Klarinette und Saxophon, Dr. Peter Maisenbacher an Banjo und Gitarre und Karl-Otto Schmidt an Kontrabass und Tuba. Damit beweisen sie ihre instrumentale Vielseitigkeit. Ebenso kommt die gesangliche Virtuosität bestens an. Es ist das perfekte Zusammenspiel und mitreißende Spielfreude, die die Zuhörer im Kulturbahnhof begeistern.

– Rainer Gaukel