Die besten Rock-Klassiker auf einzigartige Weise interpretiert

Die besten Rock-Klassiker auf einzigartige Weise interpretiert

 

Das Trio „Die Nachtigallen“ gibt ein krachendes Gastspiel im Neuensteiner Kulturbahnhof. Der ehemalige Bahnhofssaal ist brechend voll. Schon der Blick auf die Schlaginstrumente lässt die Experimentierfreude der Band vermuten. Rudimentäres Schlagwerk aus Blechdosen und Kisten auf der einen, der eindrucksvolle mehrstimmige Gesang aller Musiker auf der anderen Seite.

Schnell baut sich eine Beziehung zum Publikum auf. „Wir freuen uns wie Bolle“, begrüßt Jutta Werbelow die erwartungsfrohen Besucher. „Wir fangen wie damals als Straßenkappelle in Italien an.“ Seit 23 Jahren seien sie nun unterwegs. Was als Straßenmusik in ganz Europa begann, ist nun das Gesamtkunstwerk „Die Nachtigallen“. Das Trio aus dem Raum Wiesloch-Rauenberg hat durch seine Arrangements der bekanntesten Pop- und Rocksongs eine neuartige Kunstform entwickelt. „Wir sind die Band, die die berühmtesten Lieder noch berühmter spielen“, scherzt Werbelow. Sie sitzt am Schlagwerk, beweist sich als Bassistin, tanzt und verbiegt ihren durchtrainierten Körper im eleganten roten Abendkleid. Werbelow moderiert witzig und charmant.

Mit ihrem „Under the Boardwalk“ tauchen sie nochmals in das italienische Urlaubsflair ein, lassen das Meer rauschen. „Irgendwann wurden die Lire abgeschafft und wir standen wieder auf der Straße“, so Werbelow. Das sei aber eher Ansporn gewesen. Die drei Musiker entstammen unterschiedlichen musikalischen Generationen. Der Kopf der Gruppe sei der Erfahrenste: Rolf Schaude. Schaude nennt Werbelow liebevoll „Bandküken“. Der Dritte im Bunde ist Top-Gitarrist Martin Haaß. Mit ihren feinen Interpretationen erzählen sie Geschichten, reizend und ergreifend. Und alle Ehre machen die Nachtigallen mit ihrem Namen.

Viele Stücke entstammen der großen musikalischen 1980er Jahre wie Michael Jacksons „Thriller“, Madonnas „Like a virgin“, Queens „Crazy little thing called love“ oder „Everything counts“, dem Elektropop-Klassiker von Depeche Mode. Nicht von Liebe handelnd, aber immer philosophisch sei die Musik des Heavy metal. „Highway to hell“ von ACDC wird kurzerhand als Cha Cha Cha interpretiert. Mit Elementen von „Stairway to heaven“ beschreiben die Nachtigallen die wahre Geschichte des Lebens, eben mit Höhen und Tiefen. Ihr ältestes Lied im Programm „Don’t stop it“ entstammt aus der eigenen Feder. „Wir haben es für Euch recycelt“, so Schaude.

Die Nachtigallen sind nicht mehr aufzuhalten, präsentieren ein Highlight nach dem anderen. Werbelow singt „Tennessee Waltz“ schmachtend und ergreifend. „Der Song ist in Eurem musikalischen Rückenmark verankert“, so die Sängerin zum legendären Country-Song. Dabei erinnere sie sich an ihre Au-Pair-Zeit in Houston/Texas. Mit einem Lied von Rihanna versuchen sie sich an aktuellen Hits, was ihnen aber nur mit Simultanübersetzung gelinge. „Die Message muss dabei rüber kommen“, so Schaude. Ob Annie Lennox oder Ozzy Osbourne, Balladen oder Hardrock, nichts wird ausgelassen.

Der Tom-Waits-Klassiker „Waltzing Mathilda“ und der Eagles-Kultsong „Hotel California“ sind meisterlich gelungen. Schaude beherrscht die rauhe Stimme von Waits besonders. Prompte Beifallsrufe belohnen die Musiker. Mit der Zugabe „Time after time“ von Cindy Lauper beendeten die Nachtigallen ihren fulminanten Auftritt. Das Publikum stimmt nach Aufforderung Werbelows mit ein. „Ihr seid sensationell“, so die Sängerin.

Tosender Applaus. Die Stimmen aus dem Publikum sind eindeutig. „Das war eine super Veranstaltung“, so Curt Huber und Gerhild Schuster meint einfach „Genial“.

– Rainer Gaukel