Konzert mit dem Rick-von-Bracken-Trio feat. Tansy Davis

Konzert mit dem Rick-von-Bracken-Trio feat. Tansy Davis

 

Der Kulturbahnhof erlebt mit Tansy Davis, Rick von Bracken und Ralf Köhler ein Konzert auf hohem künstlerischem Niveau. „Schön ist, wenn man von der Bühne geht und sagen kann, dass das wirklich gut war“, resümiert Keyboarder und Saxophonist Rick von Bracken lächelnd.

Dass die Musiker nicht oft gemeinsam auf der Bühne stehen, ist ihnen nicht anzumerken. „Man trifft sich, man improvisiert und schaut den Anderen nur an“, erklärt von Bracken. „Das ist für mich Musik machen und das ist schön.“ Tansy Davis sitzt derweil entspannt auf ihrem Hocker, spielt mit dem Publikum und mit ihrer Stimme. Letzteres sei nicht selbstverständlich, denn eine Woche plagt sich Davis mit einer Erkältung herum. Rechtzeitig zum Konzert ist die Stimme wieder da. Das Publikum, erfreut und dankbar, spendet spontanen, warmherzigen Applaus.

Von Bracken kündigt „Les feuilles mortes“ an, ein Chanson der 40er Jahre. Das Lied sei sehr poetisch, aber auch brutal. „Die toten Blätter schaufelt man zusammen, auch die Erinnerungen und das Leid.“ Einen Welthit präsentiert das Trio mit „Bei Mir Bistu Shein“. Das jiddische Lied wird von zahlreichen Künstlern und Jazzgrößen interpretiert. Benny Godman‘s Version sei die schönste, so von Bracken.

Davis und von Bracken plaudern aus dem Nähkästchen, wissen viel und kennen die Jazzszene wie kaum andere. Ralf Köhler an der Gitarre übernimmt den ruhigeren Part, spielt sein Instrument dafür grandios mit vielen gekonnten Riffs. „Ralf ist der Fachmann“, lobt von Bracken. Davis steht nicht auf Lautstärke, sondern mehr auf leisere Töne: „Eigentlich geht’s um die Energie, die man beim Singen rüber bringt.“

Die Musiker sind in Fahrt und doch im Bahnhof angekommen. Bei „Night an day“, ein Song von Cole Porter von 1932 aus dem Musical Gay Divorce gibt’s Jazz vom Allerfeinsten. Und mit dem Klassiker „Every day I have the blues“ heizen sie dem Publikum noch weiter ein. Ein Hit jagt den anderen. Dazu gehört natürlich auch „Summertime“, das bekannte Wiegenlied aus dem Musical „Porgy and Bess“. Von Bracken erklärt die musikalische Interpretation so: „Aus unserer Reihe, das kann man auch so spielen.“ Beim fachkundigen Publikum kommt es bestens an. Ebenso folgt jedem Solo gebührender Beifall.
Davis lässt das Publikum mitsingen, testet deren Gesang und ist begeistert. Eine Reminiszenz an die Rock’n’Roll-Ära versprechen die Musiker beim „Lied von der hohen Körpertemperatur“. Natürlich handelt es sich um das bekannte „Fever“. Oben drauf lassen sie es bei „Mercy mercy mercy“ krachen. „Eine typisch schwarze Nummer“, weiß von Bracken von der Jazz-Komposition aus dem Jahr 1966 zu berichten, überraschenderweise geschrieben von einem Österreicher, Joe Zawinul.

Mit „Georgia on my mind“ verabschiedet sich das Trio. “Es handelt sich um ein Lied, bekannt durch Ray Charles, in der Version von Tansy Davis’”, schmunzelt von Bracken. Er lobt seine Musikerkollegen: „Wir können die Musik gemeinsam erleben und verteilen.“ Sie sei vergänglich trotz der konservierenden Welt. Jedes Konzert sei anders, jedes Stück ändert sich von Abend zu Abend, von Zeit zu Zeit. Und das findet von Bracken toll.

– Rainer Gaukel