Stadtbildprägendes Kulturdenkmal soll 2012 fertiggestellt sein

Stadtbildprägendes Kulturdenkmal soll 2012 fertiggestellt sein

 

Die Augen glänzen, als Paul Lauermann auf 5 Jahre Sanierung des Neuensteiner Bahnhofs zurückblickt. Bis heute haben Vereinsmitglieder in weit mehr als 11.000 Arbeitsstunden den Kulturbahnhof fast zur Vollendung gebracht. Wichtige Restarbeiten stehen noch an.
Auf der Baustelle „Kulturbahnhof“ herrscht auch in der Weihnachtszeit reger Betrieb. Im Erdgeschoss werden Innenwände verputzt und Heizkörper montiert. „Hier konnten wir erst vor gut einem Jahr mit der Sanierung beginnen, weil die Bahn bis dahin einige Räume noch nutzte“, meint Lauermann. Als Vereinsvorsitzender legt er fast täglich selbst Hand an.

Mit der weiteren Planung beschäftigen sich Piet Viereckel, Edgar Makus und Hans Frank. „Die Feuchtigkeit hat in über 155 Jahren die Böden abgesenkt, weil die Hölzer damals direkt auf Sandstein verlegt wurden“, weiß Makus. „Wir haben alles mit großem Aufwand wieder ins Lot gebracht“.

„Satte 3,2 km Fugen mussten alleine an der Sandsteinfassade ausgeputzt werden“, so die beachtliche Rechnung von Planer Viereckel. Frank, seit zwei Jahren unermüdlich im Einsatz, nimmt seine Kelle und streicht weiter Wände glatt. Jeder Handgriff sitzt.
„Sechzig Prozent der Sanierungsarbeiten sind unsichtbar“, erklären Makus und Lauermann unisono. „Das Denkmalamt hat uns einige Auflagen gemacht“, schmunzelt Lauermann. Eine Auflage ist die Beschriftung über Türen und Ausgabefenster. Wartezimmer, Gepäckaufgabe oder Fahrkarten stehen in weißen Lettern auf grünem Grund. Und das sei gut so, meinen alle. Man darf sich gerne an den früheren Bahnhof erinnern.

Die ehemalige Fahrkartenausgabe wird zur Teeküche und Getränkeausgabe umfunktioniert. Anstelle einer Hin- und Rückfahrkarte nach Heilbronn gibt es bald Cappuccino mit Sahnehäubchen oder frisch gezapftes Bier. Das verspricht schon viel.
Der Eingangsbereich wird gerade zum Festsaal umgebaut. Er bietet später den geeigneten Raum für Kleinkunst, Live-Musik, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen oder Familienfeiern. „Damit soll das stadtbildprägende Kulturdenkmal im Blickpunkt und Interesse der Neuensteiner Bürger stehen“, freut sich Lauermann. „Wir sanieren kein Museum, sondern ein mit Leben erfülltes Gebäude“, ergänzt er.

In den oberen Geschossen sind die Gruppen und Initiatoren des Fördervereins Kulturbahnhof beheimatet. Die Neuensteiner Künstler planen dort Workshops. Der Arbeitskreis Stadtgeschichte benötigt Platz für umfangreiches Material aus vielen Hinterlassenschaften. Prägende Gegenstände eines ehemaligen Neuensteiner Bahnhofsvorstehers sind schon in deren Besitz.

Das Familienzentrum FamoS (Familien ohne Sorgen), freut sich schon mächtig, ihren Treffpunkt für Familien in den neuen Räumlichkeiten zu beziehen. Einzeln vermietete Ateliers sollen den Charakter des offenen Hauses für Kunst und Kultur abrunden.
Dass sich Gemeinderat und Stadtverwaltung hinter das Projekt stellen, muss in Zeiten knapper Kassen hoch angerechnet werden. Die fleißigen Helfer wissen dies zu schätzen. „Dieses Kulturdenkmal soll auch von den nachfolgenden Generationen beachtet und erhalten werden“, ist Lauermann wichtig.

Hintergrund
Im Juli 2005 gründeten Neuensteiner Künstler, Arbeitskreis Stadtgeschichte und FamoS den Verein „Förderverein Kulturbahnhof Neuenstein e.V.“. Ziel ist den Bahnhof zu einer kulturellen Stätte umzugestalten. Der Gemeinderat beschließt 2006 die Baumaßnahme. Die Sanierung von Dach und Außenfassade beginnt noch im selben Jahr. In den folgenden Jahren stehen Arbeiten im Innern des Gebäudes im Mittelpunkt. Bis 2010 werden Dachgeschoss und Obergeschoss ausgebaut. 2011 findet die Fortsetzung im Erdgeschoss statt. Zum Jubiläum 150 Jahre Hohenlohebahn soll der Kulturbahnhof am 3. und 4. August 2012 feierlich eingeweiht werden.

– Rainer Gaukel